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Winterzeit: Was dein Pferd jetzt wirklich braucht

Veröffentlicht am 2. Januar 2026

Lesezeit Minuten

Fachlich geprüft von

HYPONA

Wenn die Temperaturen sinken, der Boden gefriert und die Weiden karger werden, beginnt für dein Pferd eine besonders anspruchsvolle Jahreszeit. Der Winter stellt hohe Anforderungen an Energiehaushalt, Verdauung und Immunsystem. Gleichzeitig verändert sich oft das Bewegungsangebot – weniger Weidegang, mehr Stallzeit. Umso wichtiger ist eine durchdachte Fütterung, die den Bedarf deckt, ohne dein Pferd zu überversorgen.

In diesem Beitrag erfährst Du, wie Du die Energiezufuhr sinnvoll anpasst, Heumengen korrekt berechnest und warum Mineralstoffe im Winter eine zentrale Rolle spielen.

Energiebedarf im Winter: Mehr ist nicht automatisch besser

Viele Pferdebesitzer:innen gehen davon aus, dass im Winter grundsätzlich deutlich mehr Kraftfutter notwendig ist. Das stimmt so nicht. Entscheidend ist, wie dein Pferd gehalten wird und wie viel Energie es tatsächlich verbraucht.

Folgende Faktoren beeinflussen den Bedarf:

  • Haltung (Offenstall oder Box)
  • Bewegungsumfang / Trainingsintensität
  • Fellzustand (geschoren oder nicht)
  • Körperkondition
  • Gesundheitszustand
  • Alter

Ein Pferd im Offenstall mit viel Bewegung und ohne Decke benötigt mehr Energie zur Wärmeregulation als ein eingedecktes Pferd in der Box. Dennoch sollte die zusätzliche Energie primär über Raufutter und nicht über hohe Getreidemengen gedeckt werden.

Warum Raufutter die beste „Heizung“ ist

Schecke mit Pferdedecke frisst Raufutter im Schnee

Bei der Verdauung von Heu entsteht im Dickdarm Wärme. Dieser Prozess hilft deinem Pferd, seine Körpertemperatur stabil zu halten. Deshalb ist eine ausreichende Heumenge im Winter die wichtigste Grundlage der Energieversorgung.

Heumengen richtig kalkulieren

Eine der häufigsten Fragen lautet: Wie viel Heu braucht mein Pferd wirklich?

Als Faustregel gilt: Mindestens 1.5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag.

Für ein 600 kg schweres Pferd bedeutet das mindestens 9 kg Heu täglich. Je nach Alter, Körperkondition, in kalten Phasen oder bei Offenstallhaltung kann die Menge auf bis 2 kg pro 100 kg Körpergewicht und Tag erhöht werden.

Wichtig ist dabei:

  • Die Menge sollte über den Tag verteilt angeboten werden.
  • Lange Fresspausen von mehr als 4 Stunden sollten vermieden werden.
  • Heu sollte hygienisch einwandfrei und staubarm sein.

Gerade im Winter ist Schimmelgefahr durch feuchte Lagerung ein Thema. Kontrolliere regelmässig Geruch, Struktur und Farbe des Heus. Muffiger Geruch oder sichtbare Verklumpungen sind Warnzeichen.

Worauf Du bei Lagerung und Qualität von Heu achten solltest, liest Du ausführlich in unserem Beitrag Heu & Co.: Wie Du die Qualität deiner Futtermittel im Sommer sicherstellst.

Körperkondition regelmässig überprüfen

Im Winter kann es sowohl zu unbemerktem Gewichtsverlust als auch zu schleichender Gewichtszunahme kommen. Ein dichtes Winterfell kaschiert Veränderungen oft lange.

Kontrolliere deshalb:

  • 1 Rippen (leicht fühlbar, aber nicht sichtbar)
  • Halsansatz
  • Schulterpartie
  • Kruppenbereich

Bei Gewichtsverlust sollte zuerst die Heumenge angepasst werden. Erst wenn das nicht ausreicht, ist eine gezielte Ergänzung mit energiereichem Futter sinnvoll.

Kraftfutter im Winter: Wann ist es sinnvoll?

Nicht jedes Pferd benötigt im Winter Kraftfutter. Viele Freizeitpferde kommen mit hochwertigem Heu und einem Mineralfutter gut zurecht.

Kraftfutter kann sinnvoll sein bei:

  • Sportlich stark beanspruchten Pferden
  • Geschorenen Pferden
  • Schwerfuttrigen Pferden
  • Alten Pferden mit verminderter Futterverwertung

Wichtig ist, dass Du Stärke- und Zuckermengen im Blick behältst. Zu grosse Kraftfutterrationen können Verdauungsprobleme verursachen. Besser sind kleinere Portionen, verteilt über mehrere Mahlzeiten.

Mineralstoffe – im Winter besonders wichtig

I.d.R. kann der Mineralstoff- und Vitaminbedarf auch auf der Weide nicht gedeckt werden. Trotzdem sind im frischen Gras einige Mineralstoffe und Vitamine enthalten, welche im Winter bei reiner Stallhaltung wegfallen. Gleichzeitig steigt durch Fellwechsel, Kälte und Infektionsdruck der Bedarf an bestimmten Nährstoffen.

Besonders relevant sind:

  • Zink für Haut, Fell und Immunsystem
  • Selen als antioxidativer Zellschutz
  • Vitamin E zur Unterstützung der Muskulatur
  • Kupfer für Stoffwechselprozesse
  • Biotin für Huf- und Hornqualität

Ein hochwertiges Mineralfutter ist deshalb unverzichtbar.

Mehr zur gezielten Unterstützung des Immunsystems liest Du in unserem Beitrag Futter für ein starkes Immunsystem: Wie dein Pferd gesund durch den Winter kommt.

Wasser nicht vergessen

Pferd trinkt bei Eis und Schnee aus Tränke

Auch wenn es kalt ist, bleibt die Wasserversorgung unerlässlich. Viele Pferde trinken im Winter weniger – besonders wenn das Wasser sehr kalt ist. Gerade in Kombination mit Zahnproblemen kann die Wasseraufnahme gefährlich knapp werden.

Achte auf:

  • Frostfreie oder beheizte Tränken
  • Saubere Eimer
  • Regelmässige Kontrolle der Wasseraufnahme

Zu geringe Wasseraufnahme kann Verstopfungskoliken begünstigen – ein typisches Winterproblem.

Wie wichtig die Wasseraufnahme für Verdauung und Leistungsfähigkeit ist, erfährst Du auch in unserem Beitrag Trinken ist Trumpf: Wasserversorgung und Elektrolyte im Hochsommer.

Bewegung trotz Winterwetter

Pferd bewegt sich im Offenstall im Schnee

Fütterung allein reicht nicht aus. Bewegung ist entscheidend für:

  • Eine funktionierende Verdauung
  • Eine stabile Muskulatur
  • Eine gute Durchblutung
  • Ein starkes Immunsystem
  • Die psychische Gesundheit

Auch bei Schnee und Kälte sollte dein Pferd täglich Bewegung erhalten – angepasst an Bodenverhältnisse und Trainingszustand.

Offenstall vs. Box: Unterschiedliche Bedürfnisse

Im Offenstall profitieren Pferde oft von mehr Bewegung und sozialem Kontakt, benötigen aber mehr Energie zur Wärmeerhaltung. Hier ist eine grosszügige Heufütterung besonders wichtig – natürlich trotzdem angepasst an den Bedarf der sich in der Gruppe befindenden Pferde / Ponys.
Boxenpferde hingegen bewegen sich weniger. Hier sollte die Energiezufuhr kontrolliert werden, um Übergewicht zu vermeiden. Gleichzeitig ist auf ausreichend Beschäftigung und Raufutteraufnahme zu achten.

Winterfell, Schur und Decke

Pferd wird von Besitzerin geschert

Ein intaktes Winterfell ist ein natürlicher Kälteschutz. Wird ein Pferd geschoren, fällt dieser Schutz weg, womit sich auch der Energiebedarf verändern kann.

In diesem Fall sind folgende Punkte wichtig:

  • Angepasste Deckenstrategie
  • Gesteigerte Energiezufuhr über Raufutter
  • Regelmässige Kontrolle der Körpertemperatur

Eine Schur sollte immer im Zusammenhang mit Trainingsintensität und Haltungsform entschieden werden.

Typische Winterprobleme vermeiden

Im Winter treten vermehrt auf:

  • Atemwegsprobleme durch Staub
  • Mauke durch Feuchtigkeit / mangelnde Stallhygiene
  • Kotwasser durch Futterumstellung
  • Verstopfungskoliken durch geringe Wasseraufnahme

Eine stabile Raufutterbasis, sauberes Wasser, hygienische Stallverhältnisse und eine ausgewogene Mineralstoffversorgung helfen, diese Risiken zu reduzieren

Fazit: Struktur, Qualität und Bedarf im Blick behalten

Im Winter braucht dein Pferd vor allem eines: Eine stabile, strukturreiche Fütterung mit ausreichend Heu. Die zusätzliche Energie sollte primär über Raufutter gedeckt werden. Kraftfutter kommt nur bedarfsgerecht zum Einsatz.

Regelmässige Kontrolle von Körperkondition, Wasseraufnahme und Mineralstoffversorgung sorgt dafür, dass dein Pferd gesund durch die kalte Jahreszeit kommt.

Mit einer durchdachten Winterfütterung, ausreichend Bewegung und guter Stallhygiene legst Du die Grundlage für ein vitales Frühjahr – und ein Pferd, das auch bei Frost und Schnee gesund und leistungsbereit bleibt.

4.7/5 aus 6 Bewertungen

Benjamin von HorseDeal

Benjamin ist Gründer von HorseDeal - das Parship für den Pferdesport. Gemeinsam mit einem begeisterten, internationalen Team arbeitet er daran, das Matching zwischen Reiter:in und Pferdebesitzer:in einfacher, sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Im HorseDeal-Blog liegen seine Schwerpunkte bei Themen wie Fütterung, Gesundheit und praxisnahem Pferdewissen. Seine Begeisterung für Pferde begann mit seiner ersten Reitbeteiligung, Aramis. Diese Erfahrung weckte nicht nur sein Interesse an Pferden, sondern auch an den besonderen Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

Quellenangaben

HYPONA. (o. J.). Immunsystem und Atemwegsprobleme. https://www.hypona.ch/de/fuetterungskonzept/immunsystem-und-atemwegsprobleme (abgerufen am 27. Februar 2026).